Informationsveranstaltung zur Campusbenennung der FHW

07.01.2019 -  

Liebe Studierende und andere Interessierte,

am 16.01.2019 findet ab 18 Uhr eine Informationsveranstaltung zur Campusbenennung der Fakultät für Humanwissenschaften für Studierende, Mitarbeiter*innen und Professor*innen der Fakultät und für interessierte Gäste statt.

Seit der Fertigstellung der Sanierung des Gebäudes 40 im Jahre 2014 existiert das Bestreben, dem Campus der Fakultät für Humanwissenschaften (FHW) einen passenden Namen zu geben. Bisher geläufige Bezeichnungen wie "Gebäude 40", "der Campus der Zschokkestraße", "das Gebäude der ehemaligen PH", oder gar "Margots letzte Rache" sind wenig schmeichelhaft oder wecken eher traurige Assoziationen zu einem Haus der Universität. Im Kontrast hierzu stehen die einprägsamen Benennungen der Gebäude anderer Fakultäten, wie beispielsweise das "Vilfredo-Pareto-Gebäude" der Wirtschaftswissenschaft oder das "Ada-Lovelace-Gebäude" der Informatik. Davon inspiriert ergab eine im Jahr 2013 durch die Fachschaft der FHW initiierte Abstimmung der Studierenden der Fakultät zunächst mit großer Mehrheit den Wunsch, die Forschungseinrichtung nach der berühmten Philosophin, Politikwissenschaftlerin und Publizistin Hannah Arendt zu benennen. Dieser konnte jedoch bedauerlicherweise nicht umgesetzt werden.

Mit dem Wunsch nach einer Namensgebung mit stärkeren Bezug zur Region fand 2018 eine modifizierte Auswahl und anschließend eine erneute Abstimmung innerhalb der Studierendenschaft statt. Bereits im Vorfeld hatten sich die an der FHW aktiven Hochschulgruppen darauf geeinigt, dass man eine weibliche Namenspatronin bevorzugen würde, worauf dankenswerterweise Frau Prof. Labouvie eine ausführliche Übersicht "berühmter Frauen" aus dem Raum Sachsen-Anhalt zur Verfügung stellte. Wenngleich bei diesen Personen nicht immer ein direkter Bezug zur FHW oder der Stadt Magdeburg gefunden werden konnte, konnten drei historische Persönlichkeiten identifiziert werden, welche nach Ansicht der Studierendenschaft ideelle und regionale Bezüge zur FHW aufweisen.

Die daraufhin erfolgte Abstimmung innerhalb der Studierendenschaft ergab letztendlich folgende Rangliste:

Platz 1: Anna Ebert
Platz 2: Luise Aston
Platz 3: Marie Nathusius

Zur Einordnung und Beurteilung dieser Auswahl haben wir nachfolgend nach den neuesten Ergebnissen der Forschung jeweils eine kurze Zusammenfassung ihres Wirkens erstellt:

Anna Ebert (Derben 31.8.1889 - Magdeburg 16.3.1947, 5 Kinder) war in den 1920er und 1930er Jahren in der KPD Magdeburg aktiv und hat sich vor allem für die Gleichberechtigung von Frau und Mann, sowie die Rechte von Erwerbslosen eingesetzt. Sie protestierte bereits 1930 gegen § 218 StGB, welcher Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellte. Durch ihren lebenslangen Einsatz in Sachsen-Anhalt war es auch ihr zu verdanken, dass sich in jener Zeit die Magdeburger Bevölkerung, insbesondere die Frauen, zunehmend mit Politik auseinandersetzten. Aufgrund ihrer politischen Aktivität als Anführerin einer proletarischen Frauenorganisation und als Stadtverordnete wurde sie 1939 ins KZ Ravensbrück überführt. In den Jahren nach 1945 hat sie sich in Magdeburg für den Wiederaufbau und als Leiterin des Fürsorge- und Jugendamtes für die Sozialfürsorge in Magdeburg eingesetzt.

Die Studierenden wählten sie vor allem aufgrund ihres politischen Engagements innerhalb der Stadt und ihres emanzipatorischen Einsatzes für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zur favorisierten Namenspatronin.

Louise Aston (Gröningen 26.11.1814 - Wangen im Allgäu 21.12.1871, 3 Kinder) wuchs Mitte des 19. Jahrhunderts als Industriellengattin in Magdeburg auf, zog später nach Berlin und setzte sich zeitlebens u.a. als sozialkritische Schriftstellerin für die individuelle Freiheit, die Meinungsfreiheit, die Gleichberechtigung von Frau und Mann, die Abschaffung der erzwungenen Ehe und der Ausbeutung der Arbeiter ein. Sie trug öffentlich Männerkleidung wie Hosen, rauchte und war Atheistin, was zu dieser Zeit alles als unangemessen für Frauen galt. Für ihren Nonkonformismus und die Verbreitung revolutionärer demokratischer Ideen wurde sie 1846 aus Berlin ausgewiesen. Frau Aston brachte mehrere Werke heraus, wirkte als Krankenpflegerin und Redakteurin des "Freischärlers", musste schließlich als verfolgte Demokratin ins Exil, aus dem sie erst 1871 nach der Amnestie für politisch verfolgte Demokraten zurück kehren konnte.

Wenngleich ihr Bezug zu Magdeburg etwas geringer ist, wählten die Studierenden sie aufgrund ihrer Ideale zur Zweitplatzierten.

Marie Nathusius (Magdeburg 10.3.1817 - Neinstedt 22.12.1857, 8 Kinder) ist unter den angegebenen Personen wahrscheinlich die bereits bekannteste Frau des 19. Jahrhunderts in Sachsen-Anhalt. Sie war eine hochgebildete Frau, Schriftstellerin und vertonte eigene und die Texte u.a. von Emanuel Geibel, Novalis und Hoffmann v. Fallersleben. Mit ihrem Mann zusammen gründete sie die Neinstedter Anstalten, welche sich noch heute um Menschen mit Beeinträchtigungen kümmern, sowie ab 1849 das "Volksblatt für Stadt und Land", in welchem sie veröffnetlichte. Zudem wirkte sie in der Zeit der Industriellen Revolution durch die Gründung von Armen- und Kinderrettungshäusern gegen Kinderarbeit und Massenarmut.

Wenngleich sie und ihre Arbeit ideell gesehen für die Studierendenschaft vorbildhaft waren, ist ihr Wirkungskreis vor allem Hundisburg/Althaldensleben und weniger Magdeburg gewesen.

Letzte Änderung: 07.01.2019 - Ansprechpartner: Webmaster HW